Archiv für April 2008

23
Apr
08

„mild-to-moderate“ heat wave

In Deutschland gibt es ab und an Hitzewellen. Normalerweise im Sommer.

In Dhaka beginnt gerade der Sommer und heute hatten wir 36,6 C (laut Zeitung) bei 77 % Luftfeuchtigkeit am morgen.

Ja das ist also die kleine bis mittelmäßige Hitzewelle. Mittlerweile hat der Pool im deutschen Club auch angenehme 30 C erreicht und ich gehe auch nach Sonnenuntergang baden.

Heute hatten wir mindestens 5 Stromausfälle und es ist noch früher Abend. Der Generator in der Botschaft lief so heiß, dass zwischenzeitlich alles Dunkel war.

Ja Bangladesch hat ein Energieproblem. Da sitzt man bei Kerzenschein und alles ist romantisch und doch weis man nichts mit sich anzufangen. Was haben die wohl im Mittelalter gemacht ;-)

Ich mag Dhaka trotzdem nach wie vor.

Nun zur letzten Woche.

Am Donnerstag war ich mit Leuten der GTZ (Gesellschaft für technische Zusammenarbeit), Vertretern des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Einheimischen in einem Vorort (500 000 Einwohner) von Dhaka unterwegs. Wir haben uns dort einen Slum angeschaut. 3000 Bewohner, 16 Toiletten und Hütte an Hütte. Das war wirklich beeindruckend.

Freitag waren wir dann mit der Delegation vom BMZ auf dem Land unterwegs und haben uns verschiedene Projekte zum Thema Energie angesehen.

Da waren Öfen dabei, die effektiver sind und weniger Rauch verursachen, Solarprojekte, Reismühlen und eine Ziegelei dabei. Das war wirklich interessant.
Abends waren wir dann noch im deutschen Club und nahmen die Rickscha nach Hause. Da sich die Jungs aber fast um uns als Fahrgäste geschlagen haben, beschlossen wir selbst mal zu radeln.

Gar nicht so einfach zu steuern. Ich strampelte vor, der Rickschafahrer fröhlich hinten drauf und meine Tasche haltend. Es klappte alles super, bis ich auf die Kemal Atatürk (sehr große Straße) kam. Natürlich wollte ich meinen Vorsprung nicht verlieren und so radelte ich einfach drauf los. Ich klingelte wie alle und raste über die Straße. Nur leider hatte ich das fette Loch in der Straße nicht gesehen und so steckte ich fest. Alles hupte, der Polizist schimpfte wild und mein Rickschafahrer befreite mich. Er lachte und hatte anscheinend genauso viel Spaß wie ich ;-)

Na ja einmal den Verkehr in Dhaka lahm legen muss man auch mal machen. Die Bangladeschis winkten uns zu und das „Beautiful Mam“ sowie ein glücklicher Rickscha Fahrer der sogar noch 20 Taka für die Fahrt bekam, rundeten diesen Tag ab.

Ansonsten ist die Woche wieder sehr schnell vergangen. Morgen ist Silkes letzter Arbeitstag und Freitag fliegt sie leider auch schon.

Am WE werde ich dann mit Caro und Steffi in die neue Wohnung ziehen und meinen Balkon einweihen.

Und bei Euch?

Liebe Grüße und viel Spaß beim Fläming Frühling Fest!
Kuhtransport auf Bangla

12
Apr
08

Eine Hochzeit, eine Arbeitswoche und ein Wochenende in den Teeplantagen…

In der letzten Wochen waren wir auf einer muslimischen Hochzeit eingeladen. Natürlich wollten Silke und ich ganz besonders schön aussehen und so leihten wir uns von Caro Saris (traditionelle Kleider aus 5 Meter Stoff- s. Bilder). Wir benötigten 1 h und Hilfe von Caro um uns in den Stoff zu wickeln und es war echt schwer sich darin zu bewegen.

Unsere Ortskräfte schauten uns dann auf der Feier erstaunt an und ich schaute noch viel erstaunter, denn sie trugen Polohemden – nichts traditionelles – und wir waren echt overdressed!

Na ja Fotos geknipst und gut. Die Braut saß dann im zweiten Stock, richtig aufgetrohnt- und durfte nicht lächeln. Der Bräutigam dagegen wurde im ersten Stock platziert. Er war komplett in Gold gekleidet.

Wir selbst bekamen Dinner und durften danach gehen. 1h „feierten“ wir und dann ging es nach Hause. Unter einer Hochzeit wird im muslimischen Sinn also was anderes verstanden, aber es war spannend zu sehen. 300 Gäste sind überings normal hier.

Ja die Arbeitswoche verging dann wie im Flug. Von Luftfahrt bis Shrimps in Bremen war alles dabei. Ich kann leider nicht genau beschreiben, was ich genau mache, da ich beim Auswärtigen Amt dafür unterschrieben habe. Nur kurz- es gefällt mir nach wie vor.

Mittwoch haben wir dann OLD DHAKA bei Nacht besucht. Der Hafen ist atemberaubend im Dunkeln und nur die wenigsten Schiffe sind tatsächlich beleuchtet.

Es waren noch so viele Kinder unterwegs und einige klammerten sich richtig an einem fest. Den kleinen Jungen mit den großen braunen Haaren, der sich an meinem Bein festhielt hätte ich gern mitgenommen. Da kommt der Mutterinstinkt durch ;-)

Leider geht das nur nicht, sonst würde ich wahrscheinlich mit einer gesamten Fußballmannschaft zurückkommen.

Außerdem haben wir die HindiStreet besucht und wurden von Leuten durch ihr Haus geführt. 6 Leute in zwei kleinen Zimmern und ich habe mich immer über mein Durchgangszimmer beschwert. Das ist wirklich ein anderes Leben. Es war so interessant zu sehen und ich bewundere die Gastfreundlichkeit. Wir würden doch nie Touris unser Haus zeigen!

Donnerstag haben wir dann den 10 Uhr Nachtzug nach Srimangol genommen, der natürlich eine halbe Stunde Verspätung hatte. Der ganze Bahnsteig umringte uns. Sie starren und wenn du zurückstarrst starren sie trotzdem weiter. Egal was man macht, die Bangladeschis sind begeistert und so lernten wir zusammen Bengali. Sehr witzig! Da alles auf Bengali ausgeschildert war benötigten wir einheimische Hilfe die uns zu unserem Wagon und Abteil führte. Das war auch echt kein Problem. Erstaunlicherweise hatte wir für unser 3.50 EURO Ticket ein zweier Schlafabteil. Ich war begeistert und tatsächlich konnten wir gut schlafen. Der Schaffner weckte uns in Srimangol. Es war 3.15 Uhr und ich konnte nicht glauben, dass der Manager und Besitzer des Guest House uns tatsächlich abholten und doch kam kurze Zeit später ein kleiner Bengali auf uns zu. In Srimangal herrschte wie überall im Land Stromausfall und so wurden wir noch mit einer Kerze ausgestattet. Unser Zimmer war klasse. Zwei große Betten in den wir super weiterschlafen konnten.

Am nächsten Morgen bekamen wir Frühstück und der Manager organisierte uns tatsächlich zwei Fahrräder. Mit denen rauschten wir durch die Teeplantagen. Grün, frische Luft und wenig Menschen machen schon einen Unterschied. Natürlich hatten wir unterwegs einen Platen, doch es fanden sich schnell zwei Bangladeschis die mit einem „Techniker“ wiederkamen, der den Reifen flickte. Es war unglaublich heiß und der Jungle im anschließenden Nationalpark spendete Schatten. Dort sahen wir erneut Affen, sogar einen Babyaffen der uns folgte und aus unserer Wasserflasche trank.

Nachdem wir eine Teefabrik besucht hatten, schauten wir noch bei einem Fussballspiel zu. Die Kuh, die mitten über das Spielfeld lief, störte niemanden. Die Spieler hatten Spaß und ich war fasziniert wie sie ohne Schuhe so gut auf dem Feld spielen konnten.

Heute nahmen wir dann morgens den Zug zurück. 5 h im erste Klasseabteil- wie bei uns zweite Klasse alte Regionalbahn für 2 Euro ;-)

Ich mag Zug fahren nach wie vor super gern. Es macht wirklich Spaß und man sieht das Land. Wasser, Reisfelder, Dörfer- es ist wirklich schön.

Soweit von hier.

@ Isa und Frank: Alles Liebe zur Hochzeit. Ich wünsch euch alles Gute.
@ alle anderen: Danke für die Kommentare und Mails.

Liebe Grüße aus Dhaka.
Netti
Unser Affe

02
Apr
08

Auf dem Land, auf dem Markt und der Messe

Was für eine Woche.

Nachdem ich Donnerstag mit der Deutschen Delegation von Bundestagsabgeordneten unterwegs war nachmittags ein Treffen von NGOs, Spendern und Ministerium zum Thema Flut und Sidr (Zyklon letztes Jahr) besucht habe, sind wir am Freitag mit einem Taxi aufs Land.

Aus Dhaka ging es weiter nach Tongail und Mymensingh. Wir besuchten eine Moschee, einen Nationalpark und verschiedene alte Gebäude und Dörfer. Das Land ist ganz anders, die Menschen nur neugierig und nicht aufdringlich und die Affen einfach nur toll. Dieses Land hat soviele Reisfelder, Flüße und Seen. Es ist wunderschön. Es gibt viele Dörfer und man sieht die Einfachheit und Armut in der die Menschen leben und dennoch habe ich selten soviele strahlende Gesichter und Freundlichkeit gesehen.

Die Leute fotografieren und haben Spaß an Besuch.

Natürlich hatten ir unterwegs eine Reifenpanne, was mich aufgrund der Straßenverhältnisse nicht verwundert hat. Ich war eher erstaunt darüber, dass wir tatsächlich einen Ersatzreifen dabei hatten, aber natürlich war der auch platt und unserer Fahrer musste in den nächsten Ort mit Lokals fahren und das Teil aufpumpen.

In der Zwischenzeit standen wir bei 40 C am Reisfeld und lockten alle Menschen der Umgebeung an.

Dadurch waren wir erst sehr spät zurück in Dhaka.

Ich war total ko und konnte nur noch mein indisches Essen schauffeln und ins Bett.

Samstag waren wir dann einkaufen auf dem New Market und haben einen entspannten Tag gemacht.
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Sonntag und Montag waren dann ganz normalle Arbeitstage. Dienstag wurde es wieder spannender in der Botschaft, da ich den Airbusvertreter für Asien kennen gelernt hab und auch Vertreter der Britisch High Commission und Frensh Embassy.

Ich hatte die letzten Tage gut zu tun und war dann heute auf einer Jugendmesse und bin nun auf sämtlichen Fotos verewigt. Der Fahrer des Botschafters hat mich gebracht. Der ist voll cool und kann super Englisch. Der Botschafter selbst ist jetzt im Urlaub und alle anderen sind in den fünf Monaten wo ich hier bin auch mindestens einmal im Urlaub oder werden verstezt. Nach Berlin, Tadschikistan oder sonstwohin. Auf der Messe war es dann auch spannend. Die Bangladeschis hatten soviele Fragen. Wie ist das mit dem Studieren in Deutschland, wie funktioniert das Politische System und wie finden wir den Islam in Europa.

Bin jetzt ein bißchen Redefaul. Anschließend war ich heute noch in der Vertretung der EU und hab ein paar Infos über Luftfahrt eingeholt. Heute hat es zum ersten Mal tagsüber richtig eschüttet. Ich war trotz Schirm nass.

Seit Dienstag haben wir hier Sommerarbeitszeit. Das heißt um 15.30 Uhr Feierabend. Aßerdem hat dieser blöde Holläder Wilders diese Anti-Koran Video im Internet veröffentlich und wir sollen jetzt größere Menschenmengen meiden. Kunststück bei einer Stadt mit 12 MIO Einwohnern.

Die Lage hier ist aber ruhig und ich wurde echt noch nie in irgendeiner Weise bedrängt oder beschimpft. Abgesehen von den nerviegen Rickscha Fahrern ;-)

Am Freitag sind wir dann auf einer Hochzeit eingeladen.Wir bekommen Saris von Caro und ich bin echt gespannt wie das wird.
Hier werden Hochzeiten nicht mit weniger als 300 Leuten gefeiert.

Ansonsten wollen Silke und ich nächstes WE mit dem Zug fahren. Dafür müssen wir nu erstmal den Bahnhof finden.
Mal sehen.

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Ich berichte.
Liebe Grüße in die Heimat.